Öl ist ein ganz besondrer Saft
Geschrieben von TheBlackPlayer Geschrieben am Wednesday, 05.October. @ 19:02:03 CEST
Die Benzinpreise erreichen apokalyptisches Niveau, erwachsene Menschen brechen an der Tanke in Tränen aus und die B!LD verlangt vom Kanzler das Billigbenzin freizugeben. Alles nur Panikmache? Wird bei einer Kaffeepreiserhöhung auch Schröders Espressoreserve zur Diskussion gestellt?
Deutschlands „strategischen Ölreserve“ ist ein Vorrat für Krisenfälle.
Die strategische Ölreserve umfasst Motorenbenzin, Flugbenzin, Flugturbinenkraftstoff auf Benzinbasis, Dieselkraftstoff, leichtes Heizöl, Leuchtöl, Flugturbinenkraftstoff auf Petroleumbasis und mittelschweres oder schweres Heizöl
Die gelagerte Menge soll der Menge entprechen, die die Bundesrepublik Deutschland in 90 Tagen verbrauchen würde. Zut Zeit sind das laut Wirtschaftsministerium 10,2 Millionen Tonnen Rohöl und 12,8 Millionen Tonnen Öl-Produkte. Die Menge wird an den Verbrauch angepasst. Im März 2003 waren es insgesamt noch 25 Millionen Tonnen. Gelagert wird das schwarze Gold bundesweit, zum größten Teil in norddeutschen Salzstöcken.
Verantwortlich für die Einlagerung ist der Erdölbevorratungsverband (EBV) in Hamburg.
Die EBV-Mitglieder sind laut Gesetz alle deutschen Unternehmen, die Erdöl und entsprechende Produkte importieren oder verarbeiten. Wer natürlich nur das Zeugs im Tank von Autos, Schiffen oder Flugzeugen einführt, der muss nicht beitreten.
Das Gesetz ist das „Erdölbevorratungsgesetz“ mit 36 Paragraphen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft darf laut §30 die Vorräte ganz oder in Teilen freigeben. Aber das Gesetz macht Bedingungen: „Das Bundesministerium für Wirtschaft wird ermächtigt, zum Zwecke der Verhütung unmittelbar drohender oder der Behebung eingetretener Störungen in der Energieversorgung oder zur Erfüllung der Verpflichtungen aus Rechtsakten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sowie zur Erfüllung der Verpflichtungen aus dem [...] Internationalen Energieprogramm [...]“
Also mal eben anzapfen, weil Benzin nur teurer wird, geht nicht. Denn der Sprit ist ja „nur“ unerfreulich teuer aber nicht so knapp, dass man keinen mehr bekommen würde. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Europäische Union oder die Internationale Energieagentur IEA das (natürlich gemäß entsprechender Verträge und Gesetze) verlangen.
Und freigegebene Bestände der strategischen Ölreserve werden auch nicht verschenkt. Das steht nämlich auch im Gesetz: „Werden vom Erdölbevorratungsverband gehaltene Bestände freigegeben, so sollen die Vorräte vorrangig den Mitgliedsunternehmen unter angemessener Berücksichtigung ihres Anteils an der Aufbringung der Kosten des Verbandes angeboten werden. Sie sind zu Marktpreisen, jedoch nicht unter Einstandspreisen abzugeben.“
Bis 1997 gab es noch eine zweite Ölreserve in Deutschland, die sogenannte „Bundesrohölreserve“.
Die „Bundesrohölreserve“ wurde nach der ersten Ölkrise 1973 angelegt. Damals hatten die arabischen Ölförderstaaten während und nach dem 4. israelisch-arabischen Krieg (Jom-Kippur-Krieg, 6.-25.Oktober 1973) den Ölpreis erhöht und die Fördermenge gedrosselt.
Es kam weltweit zu einer Wirtschaftskrise und in Deutschland im November/Dezember '73 zu den legendären vier autofreien Sonntagen.
Von 1974 bis 1981 wurden deswegen von der Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) 7,32 Millionen Tonnen Rohöl angeschafft und in einem Salzstock bei Wilhelmshaven eingelagert. Diese Reserve wurde dann 1997 von der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) aufgelöst und verkauft.
Die jetzt noch bestehende „strategische Ölreserve“ ist ein Minimum. Aktuell sind tätsächlich größere Mengen an Vorräten angelegt. Raffinerien halten operative Bestände vor, um ihre Produktion zu sichern und auch jeder der mit Heizöl heizt, hat einen Vorrat in seinem Tank.
Deutschland hat auch ein paar Ölfelder im Alpenvorland, Emsland, im Raum Hannover, im hessischen Ried, Schleswig-Holstein und dem Weser-Ems-Gebiet.
2001 wurden in Deutschland 3,4 Millionen Tonnen Öl gefördert, weltweit wurde mit 3,414 Milliarden Tonnen ungefähr eintausendmal mehr Öl gefördert.
Nach Öl gebohrt wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Der Amerikaner Edwin Drake, ein ehemaliger Verkäufer und Zugschaffner, war der Erste, der damals nach dem schwarzen Gold bohrte.
Die erste so zum sprudeln gebrachte Ölquelle gab es am 27. August 1859 in Titusville in Pennsylvania (USA).
Öl gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Im allgemeinen richtet sich die Qualität nach dem Schwefelgehalt. Je weniger Schwefel desto besser.
Aus sogenannten „leichten“ und „süßen“ schwefelarmen Rohölsorten können Raffinerien Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin erzeugen. „Schwere“ und „saure“ Rohölsorten sind aufwändiger zu raffinieren.
Da Rohöl ein Naturprodukt ist und an verschiedenstenStandorten gefördert wird gibt es zig Rohölsorten. Die Ölsorten haben Namen wie Alaska North Slope, Amna (Libyen), Arab Light (Saudi-Arabien), Bonny Light (Nigeria), Brent (Nordsee), Bu Attiffel (Libyen), Dubai Fateh (Vereinigte Arabische Emirate), Es Sider (Libyen), Isthmus (Mexiko), Maya (Mexiko), Minas (Indonesien), Russian Export Blend, Saharan Blend (Algerien), Tia Juana Light(Venezuela), West Texas Intermediate, Zuetina (Libyen).
OPEC-Öle sind eher schwefelhaltig. Brent und West Texas Intermediate gehören zu den schwefelarmen sogenannten „Light Sweet Crude Oil“.
Aus solchen leichten Rohölen lassen hohe Benzinanteile gewinnen. Aber auch aus schweren Rohölen können mit deutlich höheren Verarbeitungskosten Treibstoffe gewonnen werden.
An den Warenterminbörsen London, New York und Singapur werden sogenante Referenzöle gehandelt. In London das aus der Nordsee geförderte „Brent“, in New York „West Texas Intermediate“ (WTI) und in Singapur „Tapis“ gehandelt.
Andere Sorten werden abhängig von ihrer Qualität mit preislichen Ab- oder Zuschlägen zu den Referenzölen gehandelt.
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